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Gemeinsam anpacken beim Social Azubi Day 2026

Eine große Gruppe junger Menschen wartet kurz vor neun vor der Rehabilitationsklinik Tauwetter in Bornheim, um zu erfahren, für welches der fünf Projekte, im Rahmen des IHK-organisierten „Social Azubi Days“, sie heute eingeteilt werden. Die Gruppe besteht aus zehn Azubis zweier Firmen aus Köln und Brühl und etwa 30 Rehabilitand:innen, die aufgrund einer Suchterkrankung, nach dem Entzug in der Rehaklinik Tauwetter einen weiteren Schritt in ein suchtmittelfreies Leben gehen.

Die Azubis werden für diesen Tag von ihrer eigentlichen Arbeit freigestellt. Die Firmen Mauser Packaging Group und Kirberg Catering nutzen das Angebot der IHK zum Social Azubi Day erstmals. Kierberg Catering engagiert sich schon viele Jahre für soziale Projekte, berichtet Stefan Kiesewetter, Personalleiter der Firma: „Alle unsere Mitarbeitenden können zwei Mal im Jahr an sozialen Projekten teilnehmen und werden dafür von uns bezahlt freigestellt. Für uns ist das eine Einstellungssache. Wir wollen der Region Köln etwas zurückgeben und machen auch deshalb beim Social Azubi Day mit.“

Bei Tauwetter sollen an diesem Tag folgende Projekte angegangen werden:

  • Apfelernte für die Saftherstellung
  • Streichen der Outdoor-Möbel
  • Unkraut entfernen und neue Asche verteilen auf dem Sportplatz
  • Sportraum und Forum streichen

Alle Aufgaben werden gemeinsam von den Rehabilitand:innen und Azubis bewerkstelligt. Die Idee ist, dass sich die Auszubildenden einerseits sozial engagieren und in Zukunft vielleicht sogar ein Ehrenamt übernehmen. Andererseits bekommen beide Seiten auch einen Einblick in andere Lebensrealitäten und können sich dazu austauschen und zusammen ein Projekt umsetzen.

Zusammen anzupacken, motiviert auch die Rahabilitand:innen, weiß Annika, Ergotherapeutin im Praktikum bei Tauwetter. „Die Gelegenheit einen anderen Tag zu verbringen, bringt auch eine Abwechslung rein und alle machen mega mit!“, so Annika weiter.

Es ist aber nicht nur willkommene Abwechslung zum Klinikalltag, die körperliche Arbeit tut den Rehabilitand:innen gut und gibt außerdem Aufschluss darüber, wie fit sie (wieder) sind. „Der Drogenkonsum kann unterschiedlich starke Auswirkungen auf die Belastbarkeit der Rehabilitand:innen haben. Bei solchen Projekten sehen wir Therapeuten, wie viel körperliche Ausdauer oder Konzentrationsfähigkeit da ist und was noch schwerfällt,“ erklärt Markus Stappen, Arbeitstherapeut bei Tauwetter. Verantwortung zu übernehmen ist ein weiterer wichtiger Aspekt. „Wer über viele Jahre Drogen konsumiert und sich damit auch massiv schadet, kann durch Aufgaben, wie die Pflege von Pflanzen oder das Wiederherrichten von Möbeln lernen, dass es sich lohnt, sich um etwas zu kümmern und es dafür aber auch Zeit und Geduld braucht. Das gilt auch für einen selbst. Sie lernen, dass sie sich um sich selbst kümmern müssen und Entwicklung auch Zeit brauchen darf,“ beschreibt Markus Stappen den ergotherapeutischen Ansatz der Fachklinik weiter.

In der Fachklinik Tauwetter wird Abhängigkeit nicht isoliert betrachtet, sondern als komplexe psychische Erkrankung, die häufig mit weiteren psychischen und sozialen Belastungen verbunden ist. Im Mittelpunkt des Behandlungsangebots stehen junge Erwachsene bis etwa 40 Jahre. Die Klinik bietet 35 stationäre und 5 ganztägig ambulante Rehabilitationsplätze für Frauen und Männer. Sie starten hier nach dem Entzug in eine meist fünfmonatige vollstationäre medizinische Rehabilitations-behandlung, können aber auch zur Stabilisierung oder zur Rückfall- und Krisenintervention behandelt werden. In der Fachklinik werden sie intensiv psychotherapeutisch und rehabilitatorisch betreut, um sich zu stabilisieren, neue Handlungsstrategien kennenzulernen, eine andere Tagestruktur zu entwickeln und so ein suchtmittelfreies Leben möglich zu machen.

„Ich hatte am Anfang keine Lust hier mitzumachen,“ ist ein Rehabilitand ehrlich, „aber jetzt macht es mir Spaß und es ist cool zu sehen, was man geschafft hat.“

Minister Laumann besucht Kontakt- und Beratungsstelle „Vor Ort“ des SKM Köln in Porz: Suchthilfezentrum und Herausforderungen der offenen Drogenszene im Fokus

Wie kann die Suchthilfe in Köln angesichts zunehmender Herausforderungen durch Crack-Konsum und einer wachsenden Verelendung suchtkranker Menschen zukunftsfähig aufgestellt werden? Über diese Fragen haben sich Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, und der Kölner Landtagsabgeordnete Florian Braun bei einem Besuch der Kontakt- und Beratungsstelle „Vor Ort“ des SKM Köln in Porz mit den Verantwortlichen ausgetauscht. 

Beim Rundgang durch die Einrichtung, die der Verband im April eröffnet hat, ließ sich der Minister über die vielfältigen Hilfen der Kontakt- und Beratungsstelle informieren. Die neue Einrichtung ergänzt die bisherige Suchtberatung im Stadtbezirk um eine Kontaktstelle mit Angeboten wie warmen Mahlzeiten, Getränken, Duschen, Wäschewaschen, Spritzentausch und Beratung zu Safer Use. Gleichzeitig bietet sie einen geschützten Raum zum Zur-Ruhe-Kommen und für erste Schritte in Richtung Veränderung. Ergänzend stehen Krisenintervention, psychosoziale Beratung und die Vermittlung in weiterführende Maßnahmen der Suchthilfe zur Verfügung. Neben Menschen mit Alkohol-, Drogen- oder Mischkonsum erhalten auch Angehörige Unterstützung. 

Im Anschluss wurden verschiedene Lösungsansätze diskutiert, wie man den aktuellen Herausforderungen der Suchthilfe in Köln, insbesondere durch veränderte Konsummuster, begegnen kann. Seitens des SKM Köln nahmen die Vorstände Elisabeth Quiske und Jens Röskens sowie Jane van Well, Sachgebietsleiterin Niedrigschwellige Hilfen, an dem Austausch teil. 

Suchthilfe braucht tragfähige und langfristige Lösungen 

Die Situation in der Kölner Innenstadt verdeutlicht aus Sicht des SKM Köln den dringenden Handlungsbedarf. Insbesondere der zunehmende Konsum von Crack stellt die bestehenden Hilfsangebote vor große Herausforderungen. Eine zunehmende Verelendung von Menschen, die suchtkrank, wohnungslos und häufig auch psychisch schwer belastet sind, sorgt dafür, dass die bestehenden Hilfsangebote an ihre Grenzen stoßen. 

Der SKM Köln setzt sich deshalb für Angebote ein, die niedrigschwellige Versorgung, medizinische und psychosoziale Hilfen, sichere Konsummöglichkeiten und Beschäftigungsangebote miteinander verbinden. Ziel ist es, Menschen in schwierigen Lebenslagen einen verlässlichen Anlaufpunkt zu bieten, ihre gesundheitliche und soziale Situation zu stabilisieren und neue Perspektiven zu eröffnen. 

In der Diskussion um den sogenannten Mikrohandel hat NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) den Hamburger Bundesratsvorstoß als „interessant“ bezeichnet. Ziel des Vorstoßes ist es, eine rechtliche Grundlage dafür zu schaffen, dass suchtkranke Menschen in anerkannten Hilfeeinrichtungen kleinste Drogenmengen untereinander weitergeben dürfen. „Ich werde die Argumente der Befürworter bewusst nicht in den Wind schlagen“, sagte Laumann. Zugleich verwies er darauf, dass die geltende Rechtslage einen solchen Mikrohandel derzeit nicht zulasse. „Wir haben den richtigen Weg noch nicht gefunden.“ 

„Wir brauchen Orte, an denen Menschen zur Ruhe kommen, Unterstützung erhalten und neue Perspektiven entwickeln können. Es braucht ein Hilfesystem, das sich an den Bedarf anpassen kann“, betont Jens Röskens, Vorstand vom SKM Köln. 

Minister Laumann bekräftigt: „Man kann die Augen vor der Lage nicht verschließen. Man muss es akzeptieren und Hilfe anbieten. Dafür braucht es Konzepte, die greifen.“ 

Landesunterstützung für die Suchthilfe in Großstädten 

Der SKM Köln sieht das Land Nordrhein-Westfalen in einer wichtigen Rolle, wenn es darum geht, die Suchthilfe in besonders belasteten Großstädten wie Köln nachhaltig zu stärken. Dazu gehören eine verlässliche Finanzierung, die wissenschaftliche Begleitung neuer Ansätze und die Bereitschaft, innovative Hilfsangebote zu ermöglichen. Außerdem ist der Austausch zwischen den Städten essenziell, um voneinander zu lernen und Angebote anpassen zu können.  

Wirksame Suchthilfe hilft den Betroffenen und trägt zugleich zu einem lebenswerten öffentlichen Raum bei, weiß auch Landtagsabgeordneter Florian Braun. Für ihn ist deshalb klar, dass das Hilfesystem weiter ausgebaut werden muss: „Der SKM Köln zeigt seit vielen Jahren, wie gut Angebote funktionieren, wenn niedrigschwellige Hilfen, Beratung und Prävention ineinandergreifen. Das zeigt sich besonders in der Kontaktstelle am Hauptbahnhof. Es fällt gar nicht auf, dass es dieses Hilfsangebot dort gibt, weil es so gut läuft.“  

Der SKM Köln will sich auch künftig für eine starke und bedarfsgerechte Suchthilfe in Köln einsetzen, betont Jens Röskens: „Wir freuen uns über den Austausch und darüber, dass die Herausforderungen der Suchthilfe in Köln auf Landesebene Aufmerksamkeit erfahren. Für uns ist wichtig, dass wir die Angebote gemeinsam weiterentwickeln und dabei nah an den Menschen und ihren konkreten Bedürfnissen bleiben.“

40 Jahre DE FLO: Das muss gefeiert werden! 

Seit 1986 verbindet DE FLO soziale Integration mit Nachhaltigkeit: Menschen, die auf dem regulären Arbeitsmarkt nur geringe Chancen haben, finden hier Beschäftigung, Struktur und Teilhabe. Gleichzeitig werden Möbel, Kleidung und Hausrat aufbereitet und wiederverwendet. 

Am 4. September wurde das Jubiläum der Beschäftigungshilfe des SKM Köln in Köln-Nippes gemeinsam mit rund 70 Gästen gefeiert. Mit dabei waren Vertreter: innen aus Politik und Stadtverwaltung, Fördernde, Mitarbeitende von DE FLO und dem SKM Köln sowie Ehrenamtliche und langjährige Wegbegleitende. 

Aus gebrauchten Dingen entstehen neue Chancen 

Was heute selbstverständlich klingt, war bei DE FLO schon früh Teil des Konzepts: Dinge weiterverwenden, Ressourcen schonen und Abfall vermeiden. Durch die Wiederverwertung gespendeter Kleidung, Möbel und Hausrat werden nach Berechnungen von DE FLO durchschnittlich 368,7 Kilogramm CO₂ pro Tag eingespart. 

Doch Nachhaltigkeit bedeutet hier mehr als Ressourcenschonung. Wie eng die soziale und die ökologische Arbeit miteinander verbunden sind, wurde bei einem Rundgang und in Gesprächen deutlich. Ob in der Holzwerkstatt, im Bereich Möbel und Hausrat, bei Bekleidung und Accessoires, bei Wohnungsauflösungen oder bei den „Kölner Fegern“: Die Beschäftigten übernehmen Verantwortung für konkrete Aufgaben und tragen gleichzeitig zu einem sozialen Miteinander bei und dazu, dass gebrauchte Dinge eine zweite Chance bekommen.

Zusammenhalt und Teilhabe für eine starke Gesellschaft 

„DE FLO zeigt seit 40 Jahren, was Teilhabe wirklich bedeutet: Menschen nicht auf ihre Vergangenheit zu reduzieren, sondern an ihre Zukunft zu glauben“, sagte Elisabeth Quisque, Vorstandsvorsitzende des SKM Köln, bei der Jubiläumsfeier und betonte: „DE FLO ist ein starkes Zeichen dafür, dass Soziale Arbeit wirkt. Denn hier entstehen aus gebrauchten Dingen nicht nur neue Produkte, sondern vor allem neue Perspektiven für Menschen.“ 

Lena Teschlade, Sprecherin für Arbeit und Soziales der SPD-Fraktion im NRW-Landtag, würdigte DE FLO als Beispiel dafür, wie das Recht auf Teilhabe am Arbeitsmarkt in der Praxis erfolgreich umgesetzt werden kann und wie stark die Gesellschaft davon profitiert. Sie plädierte dafür, solche Projekte zu stabilisieren und perspektivisch auch in Regelleistungen zu überführen, um eine verlässliche Finanzierung zu ermöglichen. 

Das Jobcenter Köln fördert die Beschäftigungshilfen von DE FLO seit vielen Jahren. Auch deshalb ließ es sich Sabine Mendez, Geschäftsführerin des Jobcenters Köln, nicht nehmen, DE FLO persönlich zum Jubiläum zu gratulieren: „Was hier heute noch einmal ganz deutlich wird, ist der Zusammenhalt, der hier entsteht und den die Gesellschaft ganz besonders braucht.“

Ein Ort für Wohnen, Arbeit und Begegnung 

DE FLO ist heute längst mehr als eine Beschäftigungshilfe. Nach der umfassenden Sanierung des ehemaligen Nachkriegsgebäudes sind hier 37 öffentlich geförderte Wohnungen, neue Räume für DE FLO, ein Café sowie Seminar- und Begegnungsflächen entstanden. 

Ein Ort, an dem Menschen mit unterschiedlichen Lebensgeschichten zusammenkommen. Ein Ort, an dem Menschen durch ganz konkrete Aufgaben erfahren, dass sie gebraucht werden.