Minister Laumann besucht Kontakt- und Beratungsstelle „Vor Ort“ des SKM Köln in Porz: Suchthilfezentrum und Herausforderungen der offenen Drogenszene im Fokus
Wie kann die Suchthilfe in Köln angesichts zunehmender Herausforderungen durch Crack-Konsum und einer wachsenden Verelendung suchtkranker Menschen zukunftsfähig aufgestellt werden? Über diese Fragen haben sich Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, und der Kölner Landtagsabgeordnete Florian Braun bei einem Besuch der Kontakt- und Beratungsstelle „Vor Ort“ des SKM Köln in Porz mit den Verantwortlichen ausgetauscht.
Beim Rundgang durch die Einrichtung, die der Verband im April eröffnet hat, ließ sich der Minister über die vielfältigen Hilfen der Kontakt- und Beratungsstelle informieren. Die neue Einrichtung ergänzt die bisherige Suchtberatung im Stadtbezirk um eine Kontaktstelle mit Angeboten wie warmen Mahlzeiten, Getränken, Duschen, Wäschewaschen, Spritzentausch und Beratung zu Safer Use. Gleichzeitig bietet sie einen geschützten Raum zum Zur-Ruhe-Kommen und für erste Schritte in Richtung Veränderung. Ergänzend stehen Krisenintervention, psychosoziale Beratung und die Vermittlung in weiterführende Maßnahmen der Suchthilfe zur Verfügung. Neben Menschen mit Alkohol-, Drogen- oder Mischkonsum erhalten auch Angehörige Unterstützung.
Im Anschluss wurden verschiedene Lösungsansätze diskutiert, wie man den aktuellen Herausforderungen der Suchthilfe in Köln, insbesondere durch veränderte Konsummuster, begegnen kann. Seitens des SKM Köln nahmen die Vorstände Elisabeth Quiske und Jens Röskens sowie Jane van Well, Sachgebietsleiterin Niedrigschwellige Hilfen, an dem Austausch teil.
Suchthilfe braucht tragfähige und langfristige Lösungen
Die Situation in der Kölner Innenstadt verdeutlicht aus Sicht des SKM Köln den dringenden Handlungsbedarf. Insbesondere der zunehmende Konsum von Crack stellt die bestehenden Hilfsangebote vor große Herausforderungen. Eine zunehmende Verelendung von Menschen, die suchtkrank, wohnungslos und häufig auch psychisch schwer belastet sind, sorgt dafür, dass die bestehenden Hilfsangebote an ihre Grenzen stoßen.
Der SKM Köln setzt sich deshalb für Angebote ein, die niedrigschwellige Versorgung, medizinische und psychosoziale Hilfen, sichere Konsummöglichkeiten und Beschäftigungsangebote miteinander verbinden. Ziel ist es, Menschen in schwierigen Lebenslagen einen verlässlichen Anlaufpunkt zu bieten, ihre gesundheitliche und soziale Situation zu stabilisieren und neue Perspektiven zu eröffnen.
In der Diskussion um den sogenannten Mikrohandel hat NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) den Hamburger Bundesratsvorstoß als „interessant“ bezeichnet. Ziel des Vorstoßes ist es, eine rechtliche Grundlage dafür zu schaffen, dass suchtkranke Menschen in anerkannten Hilfeeinrichtungen kleinste Drogenmengen untereinander weitergeben dürfen. „Ich werde die Argumente der Befürworter bewusst nicht in den Wind schlagen“, sagte Laumann. Zugleich verwies er darauf, dass die geltende Rechtslage einen solchen Mikrohandel derzeit nicht zulasse. „Wir haben den richtigen Weg noch nicht gefunden.“
„Wir brauchen Orte, an denen Menschen zur Ruhe kommen, Unterstützung erhalten und neue Perspektiven entwickeln können. Es braucht ein Hilfesystem, das sich an den Bedarf anpassen kann“, betont Jens Röskens, Vorstand vom SKM Köln.
Minister Laumann bekräftigt: „Man kann die Augen vor der Lage nicht verschließen. Man muss es akzeptieren und Hilfe anbieten. Dafür braucht es Konzepte, die greifen.“

Landesunterstützung für die Suchthilfe in Großstädten
Der SKM Köln sieht das Land Nordrhein-Westfalen in einer wichtigen Rolle, wenn es darum geht, die Suchthilfe in besonders belasteten Großstädten wie Köln nachhaltig zu stärken. Dazu gehören eine verlässliche Finanzierung, die wissenschaftliche Begleitung neuer Ansätze und die Bereitschaft, innovative Hilfsangebote zu ermöglichen. Außerdem ist der Austausch zwischen den Städten essenziell, um voneinander zu lernen und Angebote anpassen zu können.
Wirksame Suchthilfe hilft den Betroffenen und trägt zugleich zu einem lebenswerten öffentlichen Raum bei, weiß auch Landtagsabgeordneter Florian Braun. Für ihn ist deshalb klar, dass das Hilfesystem weiter ausgebaut werden muss: „Der SKM Köln zeigt seit vielen Jahren, wie gut Angebote funktionieren, wenn niedrigschwellige Hilfen, Beratung und Prävention ineinandergreifen. Das zeigt sich besonders in der Kontaktstelle am Hauptbahnhof. Es fällt gar nicht auf, dass es dieses Hilfsangebot dort gibt, weil es so gut läuft.“
Der SKM Köln will sich auch künftig für eine starke und bedarfsgerechte Suchthilfe in Köln einsetzen, betont Jens Röskens: „Wir freuen uns über den Austausch und darüber, dass die Herausforderungen der Suchthilfe in Köln auf Landesebene Aufmerksamkeit erfahren. Für uns ist wichtig, dass wir die Angebote gemeinsam weiterentwickeln und dabei nah an den Menschen und ihren konkreten Bedürfnissen bleiben.“








