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Lara Glockner
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Lara Glockner2026-09-21 15:21:382026-09-21 15:24:4540 Jahre DE FLO: Das muss gefeiert werden!
















Über 35 Jahre Hilfe am Kölner Hauptbahnhof
Kontakt- und Beratungsstelle des SKM Köln am Hauptbahnhof feiert Doppeljubiläum
Die Kontakt- und Beratungsstelle am Kölner Hauptbahnhof hat am 31. Oktober 2025 gemeinsam mit Gästen aus Kirche, Politik, Gesellschaft, Förder:innen, Medien und Klient:innen ihr 35- und 40-jähriges Jubiläum gefeiert. Im Rahmen einer Jubiläumsveranstaltung wurde gewürdigt, dass die Einrichtungen seit Jahrzehnten unverzichtbare Hilfe für wohnungslose und suchtkranke Menschen in Not leisten und das städtische Umfeld stabilisieren.
„Wir feiern heute nicht nur ein Jubiläum, sondern die Kontinuität einer Arbeit, die Köln sozialer macht“, betont Jens Röskens, Vorstand Sozialpolitik des SKM Köln. „Unsere Arbeit hilft Menschen ganz konkret. Damit das so bleibt, brauchen wir verlässliche Partner. Wir sind dankbar für jede Spende, aber eigentlich darf die Finanzierung solcher überlebenswichtigen Angebote nicht von Spenden abhängen. Das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die wir gemeinsam mit der Stadt lösen wollen.“
Marco Petrelli, Leiter der Stabstelle Kommunikation, Marketing und Fundraising ergänzt: „Die Diskussion um Wohnungslosigkeit und Drogenkonsum ist überall präsent. Der SKM Köln zeigt seit Jahrzehnten Lösungen, aber diese Lösungen brauchen auch Ressourcen. Der SKM Köln will nicht nur überleben, sondern weiter gestalten – gemeinsam mit Politik, Gesellschaft und allen Förder:innen.“
Haushaltsherausforderungen
Steigende Kosten bei verhältnismäßig weniger steigenden Zuschüssen aus dem städtischen Haushalt treffen die Einrichtung spürbar. Bereits heute finanziert der SKM insbesondere das Angebot des Kontaktbereichs vor allem aus eigenen Mitteln: „Die Grundversorgung bleibt, aber alles, was Begegnung und Vertrauen schafft, muss aktuell vor allem aus eigener Tasche finanziert werden“, erklärt Petrelli. „Ein Kaffee im Willkommensbereich klingt banal, ist aber oft der erste Schritt, damit jemand Vertrauen fasst und Hilfe annimmt.“
Stimmen aus der Praxis
Auch die Einrichtungsleiter machen deutlich, wie wichtig niedrigschwellige Angebote sind:
„Gerade die kleinen Dinge wie ein warmes Getränk oder ein Gespräch öffnen Türen“, sagt Ralf Promper, Leiter der Beratungsstelle am Hauptbahnhof. „Wenn wir das nicht mehr anbieten können, verlieren wir Menschen, bevor wir ihnen helfen.“
Uli Millmann, Leiter der Kontaktstelle, ergänzt: „Unsere Arbeit entlastet nicht nur Menschen in Not, sondern auch das öffentliche Leben in Köln. Wir wollen weiter Problemlöser bleiben – für Menschen und für die Stadt.“
„Ganz konkret und ganz unmittelbar“
Die Kontakt- und Beratungsstelle ist sowohl Ort der Versorgung, als auch der Beziehung. Sie bietet medizinische Hilfe ohne Vorurteile, einen geschützten Konsumraum, warme Mahlzeiten und Beratung. „Was hier im Schatten des Doms passiert, rettet Leben – ganz konkret und ganz unmittelbar“, so Röskens.
Jeden Tag nutzen zwischen 60 und 80 wohnungslose Menschen die Angebote der Kontaktstelle. In der zweiten Etage finden suchtkranke Menschen Unterstützung und einen geschützten Konsumraum; ein Angebot, das seit 35 Jahren besteht und vor über 20 Jahren um Konsumplätze erweitert wurde.
Die Kontaktstellen bieten weit mehr als nur einen Platz zum Ausruhen:
Damit diese Arbeit auch in Zukunft fortgesetzt werden kann, sind Spenden weiterhin wichtig. Gleichzeitig setzt der SKM Köln auf kooperative Lösungen mit der Stadtverwaltung, um die Finanzierung langfristig zu sichern.
Wandel der Zielgruppen und gesellschaftliche Herausforderungen
Die Zahl der Wohnungslosen in Köln steigt. Laut einer Befragung der Stadt Köln waren 2024 11.740 Menschen wohnungslos und rund 400 Menschen lebten auf der Straße, 70 Prozent davon mit psychischen oder physischen Erkrankungen, ausgelöst durch Drogenkonsum, chronische Erkrankungen oder allgemeine Unterversorgung.
Bemerkenswert ist, dass immer mehr Menschen „aus der Mitte der Gesellschaft“ die Angebote der Kontaktstellen nutzen, weil sie ihre Wohnung nicht mehr halten können. Der aktuelle Wohnungsmarkt und die steigenden Lebenshaltungskosten führen dazu, dass die Einrichtungen zunehmend auch für Menschen relevant werden, die bislang nicht als klassisch wohnungslos galten.
Weiterentwicklung und gesellschaftliche Verantwortung
Vorstand Jens Röskens betonte bei der Jubiläumsfeier: „Diese Angebote sind essenziell für Köln. Es muss mehr von ihnen geben und sie müssen weiterentwickelt werden.“ Die Kontaktstellen sind Orte der Begegnung, Beratung und Unterstützung – und sie sind auf die Solidarität der Stadtgesellschaft angewiesen.
Spenden und Engagement: Gemeinsam helfen
Um die Angebote aufrechtzuerhalten und weiterzuentwickeln, ist der SKM Köln auf Spenden und ehrenamtliche Unterstützung angewiesen. Jeder Beitrag hilft, Menschen in schwierigen Lebenslagen zu unterstützen und den sozialen Zusammenhalt in Köln zu stärken.
Unterstützen Sie die Kontakt- und Beratungsstelle mit Ihrer Spende – für ein Köln, das niemanden zurücklässt.
Jubiläum im Wasserballettteam
Sozial.Kreativ.Menschlich
Synchron im Einsatz für andere.
Eine kleine literarische Würdigung der Jubilare im SKM Köln
von Marco Petrelli
Es ruckelt und rackelt. Es knirscht und quietscht. Es schwingt und stottert.
Und es ist ein Bild der an die Synchronität eines Wasserballetts erinnernden Gleichförmigkeit, mit der sich die in der Straßenbahnlinie 9 in Richtung Königsforst stehenden Fahrgäste gleichzeitig gegen die Schwerkraft der Rechtskurve in Richtung Neumarkt stemmen.
Das Gewicht verlagernd. Mit einem großen Schritt. Mit einem kleinen Schritt. Mit verändertem Winkel von Oberkörper zum Boden.
Und ich: Mittendrin. Teil des Wasserballettsteams.
Und: Teil des SKM-Teams.
Vor einer Station eingestiegen in die Straßenbahn an der Haltestelle Mauritiuskirche unweit der Zentrale des SKM Kölns entfernt.
Vor rund einem Monat eingestiegen in die Arbeit beim SKM.
Und irgendwie erinnert mich die sich vor meinem Auge ablaufende Choreographie auch an den SKM, denke ich bei mir, während ich auf meine sich fest um den ledernen Haltegriff schmiegende Hand blicke und gedankenverloren mitschwinge.
Auch im SKM schwingen und stemmen und strampeln wir – dieses „Wir“ zu denken, fühlt sich freudig vertraut an – gegen äußere Einflüsse. Was in der Bahn die Schwerkraft ist, sind im SKM gesellschaftliche und politische Rahmenbedingungen, finanzielle und institutionelle Herausforderungen, strukturelle Versorgungslücken und vieles mehr.
Was den Unterschied macht: Niemand fährt so wirklich gern und freiwillig um diese Zeit mit der Straßenbahn durch die Kölner Innenstadt. Aber jede:r im SKM arbeitet hier in Freiheit und gutem Willen. Wir sind hier freiwillig Teil des Teams. Und einige schon seit längerer Zeit als ich auf der Welt bin. An meinem ersten Tag in der SKM-Zentrale – ich erinnere mich gut, denn das kannte ich in dieser Form der Willkommenskultur für neue Mitarbeitende in Organisationen nicht – führte mich der Vorstandsreferent und überaus freundlich bemühte Kollege durch das gesamte Haus und stellte mich allen, wirklich allen vor!
Und eine Begegnung ist mir dabei besonders in Erinnerung geblieben: Die Kollegin, die an ebendiesem Tag ihr 45-jähriges Jubiläum feierte. „Das ist ja ein lustiger Zufall: Ich feiere mein 1-Tages-Jubiläum und du (wir duzen uns hier alle im SKM) dein 45-Jähriges!“ „Da kommst du auch noch hin!“, warf mir jmd. aus der Runde zu. Und auch, wenn 45 Jahre im SKM allein schon durch das Renteneinstiegsalter nicht mehr möglich sein werden – wobei, wer weiß… – freue ich mich über eine langfristige Perspektive in diesem Wasserballettteam, das gemeinsam soziales Engagement für die am Rande der Gesellschaft stehenden Menschen choreographiert.
Denn ich fühle mich angekommen. Nach kurzer Zeit.
Und angenommen. Für eine hoffentlich lange Zeit.
Und ich freue mich, Teil dieses Teams zu sein.
Ein Team, das kürzlich Jubiläen gefeiert hat: 10, 20, 30, 40 und eben 45 Jahre im SKM Köln. Da kann man nur gratulieren.
Da möchte man auch hin:
Einsteigen, mitschwingen, bleiben.
Zwischen Straßenbahn und SKM.
Zwischen Haltegriff und Haltung.
Auf euch!
Auf uns!
Du willst auch Teil des Teams werden?
Hier geht es zu den aktuellen Stellenausschreibungen!
Gemeinsam für die Suchthilfe
Drogenhilfe Köln und SKM Köln setzen sich zusammen für nachhaltige Lösungen am Neumarkt ein
Die Situation rund um die offene Drogenszene am Kölner Neumarkt hat sich in den vergangenen Monaten dramatisch verschärft. Steigende Konsumzahlen, wachsende Obdachlosigkeit und eine hohe Zahl an Notrufeinsätzen machen deutlich: Es besteht dringender Handlungsbedarf. Vor diesem Hintergrund hat der Hauptausschuss der Stadt Köln am 29.09.2025 beschlossen, kurzfristig eine Interimslösung zur Verbesserung der Lage am Neumarkt auf den Weg zu bringen. Ziel ist es, die Situation für suchtkranke und wohnungslose Menschen ebenso wie für Anwohner:innen und die Öffentlichkeit spürbar zu entlasten. Aus diesem Anlass wollen sich der SKM Köln und Drogenhilfe gemeinsam für Lösungen an und um den Neumarkt einsetzen.
Engagement erfahrener Träger: SKM Köln und Drogenhilfe Köln signalisieren Bereitschaft
Im Rahmen eines Pressegesprächs am 10. Oktober 2025 mit anschließender Ortsbegehung haben der SKM Köln und die Drogenhilfe Köln ihr gemeinsames Engagement für die geplante Interimslösung am Neumarkt angeboten. Beide Träger verfügen über jahrzehntelange Erfahrung in der Suchthilfe und sind bereit, Verantwortung für die Umsetzung und fachliche Begleitung zu übernehmen – vorausgesetzt, die Konzeption entspricht den fachlichen Standards und wird ausreichend finanziert. In einem gemeinsamen Schreiben an Stadtverwaltung und Politik betonen sie die Notwendigkeit, etablierte Träger aktiv in die Planung und Umsetzung einzubinden.
Fakten zur aktuellen Lage: Warum eine Interimslösung notwendig ist
Im ersten Halbjahr 2024 wurden im Drogenkonsumraum Neumarkt 29.508 Konsumvorgänge gezählt – das entspricht durchschnittlich 190 pro Tag und bedeutet einen Anstieg von 75 % gegenüber 2022 wie bereits der Kölner Stadtanzeiger berichtete. 21 % der Nutzer:innen konsumieren Crack, 32 % sind obdachlos, 55 % hatten bereits eine Überdosis und 22 % sind nicht krankenversichert – das stellt eine 2023 von der Katholischen Hochschule NRW (katho) vorgelegte Studie fest. Die Polizei meldet laut Beitrag der Kölnischen Rundschau durchschnittlich 16 Notrufeinsätze täglich am Neumarkt. Die hygienischen Bedingungen werden als „katastrophal beschrieben. Zunehmend findet der Crack Konsum außerhalb des Drogenkonsumraums im öffentlichen Raum statt.
Das Kölner Modell: Hilfe vor Ort und nachhaltige Perspektiven
Das von SKM Köln und Drogenhilfe Köln favorisierte „Kölner Modell“ setzt auf niedrigschwellige Angebote in unmittelbarer Nähe zur Szene. Geplant ist der Aufbau von Suchthilfezentren, die medizinische Versorgung, Sozialarbeit, Konsum- und Ruheräume sowie Beschäftigungsangebote bündeln. Ziel ist eine schnelle Hilfe für Konsumierende, die Entlastung des öffentlichen Raums und die Integration wohnungsloser und suchtkranker Menschen. Erfahrungen aus anderen Städten wie Zürich und Frankfurt zeigen, dass solche Modelle erfolgreich sein können, wenn sie an die lokalen Bedingungen angepasst werden.
Stimmen aus der Praxis: Verantwortung und Perspektiven
„Wir stehen bereit, kurzfristig Verantwortung zu übernehmen – etwa für die geplante Aufenthaltsfläche am Neumarkt. Voraussetzung ist, dass die Konzeption fachlich tragfähig ist und tatsächlich zu einer Entlastung der Situation beiträgt“, betont Markus Wirtz, Geschäftsführer der Drogenhilfe Köln. Jens Röskens, Vorstand Sozialpolitik beim SKM Köln, ergänzt: „Die Stadt Köln ist auf die Kompetenz der etablierten Träger angewiesen, um wirksame und nachhaltige Lösungen zu entwickeln.“ Jane van Well, Sachgebietsleitung Niedrigschwellige Hilfen beim SKM Köln, unterstreicht: „Für das Rauchen von Crack braucht es nicht unbedingt einen Konsumraum – aber eine Anlaufstelle mit umfassendem Angebot.“
Ausblick: Zusammenarbeit für nachhaltige Suchthilfe
Die nächsten Schritte umfassen die Einladung zu Workshops, die Konkretisierung der Maßnahmen durch die Stadt Köln und die aktive Einbindung der etablierten Träger in die Weiterentwicklung des Suchthilfekonzepts. Ziel ist es, gemeinsam mit allen Beteiligten tragfähige und nachhaltige Lösungen für die Suchthilfe am Neumarkt zu schaffen.
Die zugehörige Pressemitteilung erhalten Sie hier als PDF zum Download.