Über 35 Jahre Hilfe am Kölner Hauptbahnhof

Kontakt- und Beratungsstelle des SKM Köln am Hauptbahnhof feiert Doppeljubiläum

Die Kontakt- und Beratungsstelle am Kölner Hauptbahnhof hat am 31. Oktober 2025 gemeinsam mit Gästen aus Kirche, Politik, Gesellschaft, Förder:innen, Medien und Klient:innen ihr 35- und 40-jähriges Jubiläum gefeiert. Im Rahmen einer Jubiläumsveranstaltung wurde gewürdigt, dass die Einrichtungen seit Jahrzehnten unverzichtbare Hilfe für wohnungslose und suchtkranke Menschen in Not leisten und das städtische Umfeld stabilisieren.

„Wir feiern heute nicht nur ein Jubiläum, sondern die Kontinuität einer Arbeit, die Köln sozialer macht“
–  Jens Röskens, Vorstand Sozialpolitik SKM Köln

„Wir feiern heute nicht nur ein Jubiläum, sondern die Kontinuität einer Arbeit, die Köln sozialer macht“, betont Jens Röskens, Vorstand Sozialpolitik des SKM Köln. „Unsere Arbeit hilft Menschen ganz konkret. Damit das so bleibt, brauchen wir verlässliche Partner. Wir sind dankbar für jede Spende, aber eigentlich darf die Finanzierung solcher überlebenswichtigen Angebote nicht von Spenden abhängen. Das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die wir gemeinsam mit der Stadt lösen wollen.“

Marco Petrelli, Leiter der Stabstelle Kommunikation, Marketing und Fundraising ergänzt: „Die Diskussion um Wohnungslosigkeit und Drogenkonsum ist überall präsent. Der SKM Köln zeigt seit Jahrzehnten Lösungen, aber diese Lösungen brauchen auch Ressourcen. Der SKM Köln will nicht nur überleben, sondern weiter gestalten – gemeinsam mit Politik, Gesellschaft und allen Förder:innen.“

Haushaltsherausforderungen

Steigende Kosten bei verhältnismäßig weniger steigenden Zuschüssen aus dem städtischen Haushalt treffen die Einrichtung spürbar. Bereits heute finanziert der SKM insbesondere das Angebot des Kontaktbereichs vor allem aus eigenen Mitteln: „Die Grundversorgung bleibt, aber alles, was Begegnung und Vertrauen schafft, muss aktuell vor allem aus eigener Tasche finanziert werden“, erklärt Petrelli. „Ein Kaffee im Willkommensbereich klingt banal, ist aber oft der erste Schritt, damit jemand Vertrauen fasst und Hilfe annimmt.“

Stimmen aus der Praxis

Auch die Einrichtungsleiter machen deutlich, wie wichtig niedrigschwellige Angebote sind:

„Gerade die kleinen Dinge wie ein warmes Getränk oder ein Gespräch öffnen Türen“, sagt Ralf Promper, Leiter der Beratungsstelle am Hauptbahnhof. „Wenn wir das nicht mehr anbieten können, verlieren wir Menschen, bevor wir ihnen helfen.“

Uli Millmann, Leiter der Kontaktstelle, ergänzt: „Unsere Arbeit entlastet nicht nur Menschen in Not, sondern auch das öffentliche Leben in Köln. Wir wollen weiter Problemlöser bleiben – für Menschen und für die Stadt.“

„Ganz konkret und ganz unmittelbar“

Die Kontakt- und Beratungsstelle ist sowohl Ort der Versorgung, als auch der Beziehung. Sie bietet medizinische Hilfe ohne Vorurteile, einen geschützten Konsumraum, warme Mahlzeiten und Beratung. „Was hier im Schatten des Doms passiert, rettet Leben – ganz konkret und ganz unmittelbar“, so Röskens.

Jeden Tag nutzen zwischen 60 und 80 wohnungslose Menschen die Angebote der Kontaktstelle. In der zweiten Etage finden suchtkranke Menschen Unterstützung und einen geschützten Konsumraum; ein Angebot, das seit 35 Jahren besteht und vor über 20 Jahren um Konsumplätze erweitert wurde.

Die Kontaktstellen bieten weit mehr als nur einen Platz zum Ausruhen:

  • Sozialberatung: Unterstützung bei der Bewältigung belastender Lebenssituationen
  • Medizinische Hilfe: Mehrmals pro Woche sind Ärztinnen und Ärzte des städtischen medizinischen Dienstes vor Ort
  • Alltagsunterstützung: Duschen, Wäsche waschen, warme Mahlzeiten, Getränke und die Möglichkeit, eine Postadresse einzurichten
  • Niedrigschwellige Angebote: Ein freundlicher Empfang, ein Kaffee, ein Gespräch – oft der erste Schritt zurück ins Vertrauen und in die Hilfe

Damit diese Arbeit auch in Zukunft fortgesetzt werden kann, sind Spenden weiterhin wichtig. Gleichzeitig setzt der SKM Köln auf kooperative Lösungen mit der Stadtverwaltung, um die Finanzierung langfristig zu sichern.

Wandel der Zielgruppen und gesellschaftliche Herausforderungen

Die Zahl der Wohnungslosen in Köln steigt. Laut einer Befragung der Stadt Köln waren 2024 11.740 Menschen wohnungslos und rund 400 Menschen lebten auf der Straße, 70 Prozent davon mit psychischen oder physischen Erkrankungen, ausgelöst durch Drogenkonsum, chronische Erkrankungen oder allgemeine Unterversorgung.

Bemerkenswert ist, dass immer mehr Menschen „aus der Mitte der Gesellschaft“ die Angebote der Kontaktstellen nutzen, weil sie ihre Wohnung nicht mehr halten können. Der aktuelle Wohnungsmarkt und die steigenden Lebenshaltungskosten führen dazu, dass die Einrichtungen zunehmend auch für Menschen relevant werden, die bislang nicht als klassisch wohnungslos galten.

Weiterentwicklung und gesellschaftliche Verantwortung

Vorstand Jens Röskens betonte bei der Jubiläumsfeier: „Diese Angebote sind essenziell für Köln. Es muss mehr von ihnen geben und sie müssen weiterentwickelt werden.“ Die Kontaktstellen sind Orte der Begegnung, Beratung und Unterstützung – und sie sind auf die Solidarität der Stadtgesellschaft angewiesen.

Spenden und Engagement: Gemeinsam helfen

Um die Angebote aufrechtzuerhalten und weiterzuentwickeln, ist der SKM Köln auf Spenden und ehrenamtliche Unterstützung angewiesen. Jeder Beitrag hilft, Menschen in schwierigen Lebenslagen zu unterstützen und den sozialen Zusammenhalt in Köln zu stärken.

Unterstützen Sie die Kontakt- und Beratungsstelle mit Ihrer Spende – für ein Köln, das niemanden zurücklässt.