Von Teezeit, Auszeit und einem kleinen K, das ganz groß wird
Sozial.Katholisch.Menschlich.
Ein Teebeutel, ein Mut-Button und ein Buchstabe zeigen in der Adventszeit, wofür der SKM steht
von Marco Petrelli
Es ist Advent. Zeit der Besinnlichkeit. Zeit der Ruhe. Zeit der Nähe. So stellt man sich das vor mit Schneeflöckchen vor weihnachtlicher Kulisse. Ganz zart, ganz weich, ganz langsam. In Wahrheit rotiert alles noch schneller: Menschen hasten durch Innenstädte – zwischendurch noch ein Glühwein – zum „Irgendwas- Friday, Monday oder Irgendein-Super-Schnäppchen-nur-noch-heute-Einkaufstag“ schnell noch alle Geschenke für den Platz unterm Tannenbaum zähnefletschend jagend, während Paketbot:innen Treppen rauf und runter rennen und ach ja: die Arbeit muss noch bis Weihnachten erledigt werden, sonst hängt der Bürosegen am Ende des Jahres schief und vielleicht geht sogar die gesamte Welt unter, sollte nicht wirklich alles erledigt sein, was nicht bis zum 2. Januar warten darf.
Irgendwo mittendrin in dieser wirbelnden Choreografie des Vorweihnachtstrubels steht die Kirche Sankt Mauritius in Köln. Mittendrin stand dort der SKM zum Adventsgottesdienst zusammen mit einer einfachen, entwaffnenden Frage:
Was ist deine Teezeit? Was ist deine Auszeit?
Inmitten des Gottesdienstes bekamen wir kleine Teebeutel-Päckchen geschenkt, jedes von der Vorbereitungsgruppe liebevoll verpackt, jedes mit einem Wort versehen. Ein einziges Wort, das vielleicht zum Kompass durch diese Adventszeit werden kann. Auf meinem klebt ein kleiner Button mit dem Wort „Mut“.
Dieses unscheinbare Tütchen in der Hand haltend – „Pfefferminztee, erfrischend und würzig“, nichts Überirdisches – merke ich doch: Das ist ein Stück Theologie im Format „2 Gramm Tee“. Vielleicht versteckt Gott seine Gnade im Staub des Alltags oder in einem kleinen Beutel Tee. Vielleicht ist meine „Teezeit“ nichts weniger als ein Sakrament im Kleinen. Vielleicht ein Moment, in dem Mut nicht laut auftritt, sondern leise dampft mit einer Ziehzeit von 5 bis 6 Minuten.
Während der Tee, den wir nach Abschluss des Gottesdienstes gemeinsam trinken, langsam abkühlt, beginnt in meinem Kopf eine weitere Frage zu köcheln:
Wofür steht eigentlich das K im Akronym SKM?
S ist klar: sozial.
M ist eigentlich auch klar: menschlich (und ja, da steht aus historischen Gründen eigentlich Männer, aber die Zeiten sind schon lange kalter Kaffee).
Beides schreibt sich der SKM nicht einfach auf die Fahnen, er trägt es, lebt es, arbeitet damit.
Aber das K? Wofür steht das?
„Katholisch“ müsste man unmittelbar ausrufen und im selben Moment würde schon die Hälfte der Anwesenden schmunzeln oder die Mundwinkel verziehen. Denn in Köln klingt „katholisch“ für viele oft wie ein schweres Wort, wie ein Etikett aus einer anderen Zeit: schwer, kirchlich, irgendwie weltfremd und verstaubt. Als würde man eine alte Truhe öffnen und hoffen, dass nichts Mottenzerfressenes drinliegt.
Aber vielleicht ist es ganz anders.
Vielleicht ist katholisch eines der großzügigsten, weitesten und schönsten Worte, das wir haben.
Katholisch heißt nicht „kirchlich korrekt“ oder „sonntags 10 Uhr“.
Katholisch heißt „allumfassend“.
Das Große im Kleinen erkennen.
Das Ganze im Splitter.
Das Heilige im Menschlichen.
Der Mensch trägt die Unendlichkeit in sich und stolpert trotzdem durchs Leben, müde, hungrig, fragend. Das ist katholisch. Wir alle sind katholisch, wenn wir versuchen, das Ganze zu sehen und uns gleichzeitig nicht zu schade sind, unsere Hände für das Kleine dreckig zu machen.
Und so fängt mein K an zu wandern, zu wachsen, sich zu verwandeln:
K wie kreativ, wenn Teams neue Wege finden, Menschen am Rand in die Mitte zu holen.
K wie kollegial, wenn man im SKM nicht allein kämpft, sondern gemeinsam trägt.
K wie kritisch, weil echte Nächstenliebe ohne Ehrlichkeit keine ist.
K wie kompetent, weil Professionalität Menschlichkeit nicht ausschließt, sondern vertieft.
K wie kooperativ, weil Verantwortung selten ein Solo ist.
K wie karitativ, weil Liebe in Taten wohnen will.
K wie konkret, weil die Hilfe des SKM nicht im Wolkigen schwebt, sondern in Wohnungslosenhilfe, Jugendunterstützung, Schulsozialarbeit, Straffälligenhilfe und vielem mehr Gestalt annimmt.
Und wir sind in Köln, daher steht das K auch für kölsch im besten Sinne: offen, herzlich, geerdet.
Vielleicht ist es genau das, was mich am SKM beeindruckt:
dass ein einzelner Buchstabe groß genug werden kann, um eine ganze Organisationskultur zu tragen.
Wenn ich heute an die Teezeit-Frage zurückdenke, merke ich:
Diese Auszeiten sind kein Luxus.
Sie sind Voraussetzung.
Nur wer sich hinsetzt, darf andere aufrichten.
Nur wer schweigen kann, hört, was Menschen wirklich brauchen.
Nur wer Mut sammelt, kann Mut schenken.
Das K im SKM ist für mich ein Advent in einem Buchstaben:
ein Raum, der sich öffnet, damit Menschen ankommen können.
Im Kleinen.
Im Konkreten.
Im Kollegialen.
Im Katholischen.
Und vielleicht ist es am Ende ganz einfach:
Das K steht für das, was wir daraus machen.
Jeden Tag.
Im Team.
Am Rand der Gesellschaft.
Und mitten im Menschsein.
SKM – Der Mensch am Rande ist unsere Mitte.
Punkt.







