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Kölner Feger: Straße kehren gegen Vorurteile

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„Kölner Feger“: Straße kehren gegen Vorurteile

Wohnungslose und drogenabhängige Menschen werden im öffentlichen Raum häufig als störend empfunden, weil sie laut sind, Dreck hinterlassen und nicht sichtbar etwas zu einer funktionierenden Gesellschaft beitragen. Die „Kölner Feger“, zwei Gruppen mit bis zu acht Teilnehmenden in leuchtend orangen Hosen und blauen Westen, nehmen seit 2015 buchstäblich den Besen in die Hand und packen auf öffentlichen Plätzen da an, wo (auch) andere ihre Spuren hinterlassen haben. Sie setzen damit ein sichtbares Zeichen: Wir tun was!

Drogenabhängige Menschen im Methadonprogramm fallen dadurch auf, dass sie nach oft jahrelangem Konsum von Opiaten mit Eintritt in die Substitution jegliche „Tagesstruktur und Beschäftigung“ verlieren. Sie wissen oft nicht viel mit ihrer Zeit anzufangen und so fällt die Gruppe der Betroffenen auch immer wieder im öffentlichen Raum durch größere Ansammlungen mit Trinken und Lärmen auf. Die Aufnahme einer regulären Arbeit kommt in der Regel nicht in Frage, weil notwendige Voraussetzungen wie Ausbildung, Arbeitssozialisation und Arbeitserfahrung kaum vorliegen. Zudem sind die meisten wegen mangelnder Arbeitserfahrung und mangelnden Arbeitstugenden und durch Schädigungen während des Lebens in der Drogenszene kaum in der Lage eine Tätigkeit länger und zuverlässig durchzuführen. Dementsprechend bedarf es einer Form der Beschäftigung, die auf diese Gruppe zugeschnitten ist.

Arbeit schafft Sinn

Arbeit bzw. Beschäftigung stellen ein zentrales Element gesellschaftlicher Teilhabe dar. Sie dient der Sicherung des Lebensunterhaltes, hat aber auch soziale und sinnstiftende Aufgaben. Darüber hinaus hat Arbeit und Beschäftigung gerade für Menschen, die kaum Chancen auf dem regulären Arbeitsmarkt haben, eine wichtige Funktion als Tagesstrukturierung, die Halt und Orientierung gibt. Das Projekt „Kölner Feger“ richtet sich an genau die Menschen, die aufgrund einer Suchtproblematik aus den „normalen“ Lebensstrukturen gefallen sind und ermöglicht ihnen eine Beschäftigung auf niedrigschwelligem Niveau. Die bis zu 16 Beschäftigungsteilnehmer laufen wochentäglich in zwei Gruppen über verschiedene Routen im Innenstadtbereich und Mülheim. Die Tätigkeit besteht in der Reinigung an besonders durch Drogenabhängige belasteten öffentlichen Orten.

Die Teilnehmenden erfahren die Heranführung an eine feste Tagesstruktur, an Arbeitstugenden und berufliche Perspektivenbildung – und nicht zuletzt Motivation, Sinn und Wertschätzung. Vor allem dadurch, dass ihre Tätigkeit zum Gemeinwohl beiträgt an Orten, die bislang mit dieser Klientel selbst als Verschmutzungsauslöser in Verbindung gebracht wurde. Als Experten in eigener Sache und aufgrund profunder Kenntnisse spezifischer Orte wird ihnen von der Bevölkerung sehr viel Zuspruch und Wertschätzung entgegengebracht. Sie setzen damit ein aktives Zeichen: Wir tun was! Das Projekt dient somit buchstäblich auch dem Aufräumen von Vorurteilen. Sie sind sichtbar, weil sie eine eigens gestaltete, blaue Weste mit Feger-Logo tragen. Dieses nach außen sichtbare Symbol trägt auch bei jedem Beteiligten zur Identifikation mit dem Projekt und der Arbeitsaufgabe bei. Das alles stärkt das „Wir-Gefühl“, Teil eines besonderen Projektes zu sein und damit auch eine Form von Verantwortungsübernahme.

Menschen vom Rand werden in der Mitte sichtbar

Zur Zielgruppe des Beschäftigungsprojektes gehören in erster Linie Menschen mit besonderen sozialen Schwierigkeiten. Ihre Teilhabe im Sinne einer Einbezogenheit in das gesellschaftliche Leben ist beeinträchtigt. Dies gilt im Grundsatz für alle Bereiche der Teilhabe: soziale Beziehungen, Wohnen und Arbeit. Das Angebot „Kölner Feger“ wendet sich in Abstimmung mit dem Jobcenter ausschließlich an Substituierte im ALG II Bezug. Zur Betreuung und Begleitung der Teilnehmer sind drei SozialarbeiterInnen mit Teilzeitstellen und zwei studentische Aushilfen eingestellt. Sie werden durch Studenten im Praxissemester unterstützt. Das Projekt wird in Kooperation mit dem Jobcenter Köln umgesetzt und maßgeblich von den AWB Abfallwirtschaftsbetriebe Köln GmbH unterstützt.

Nachdem die „Kölner Feger“ mit einer Gruppe in der Innenstadt im Jahre 2015 erfolgreich ins Leben gerufen wurden, konnte gegen Ende 2016 eine weitere Gruppe in Köln-Mülheim an den Start gehen. Zur Realisierung gab es sehr viel Unterstützung und Hilfe durch den Bezirksbürgermeister, aus der Bürgerschaft und von den Mitgliedern der Interessensgemeinschaften der Buchheimer und der Frankfurter Straße. Das Projekt „Kölner Feger“ und gesellschaftliches und bürgerschaftliches Engagement treffen in Mülheim auf konstruktive und wirkungsvolle Weise zusammen.

Das Projekt wird von allen Beteiligten und Partnern mit großem Enthusiasmus mitgestaltet. Die Kooperationsgemeinschaft erleichtert überdies einen Zugang zur Gesellschaft, weil sie das Projekt und das Team unterstützt und begleitet und ein persönlicher Bezug entstanden ist.

Über den Rand geschaut: Für die Pressepräsentation im August 2015 konnte der Chef des Jobcenters, Olaf Wagner, für eine besondere Aktion gewonnen werden: Gemeinsam mit SKM-Vorstand Markus Peters und den Fegern ging es im Einsatz auf die Straße, um mehr Verständnis für die Situation der Teilnehmer zu schaffen. Es wurde ein gleichermaßen spannender und entspannter Rundgang, bei dem die beiden VIPs von den „Profis“ eine Menge lernen konnten. Dieser besondere Eindruck haftet bis heute.

Kölner Feger gegen Vorurteile

Die Feger der ersten Stunde mit Andreas Hecht (Fachbereichsleiter Gesundheits- und Integrationshilfe), Olaf Wagner und Markus Peters

Foto: Dominic Röltgen

Weitere Informationen:

Auszug aus Jahresbericht des SKM Köln 2015

Auszug aus Jahresbericht des SKM Köln 2016

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