Let’s talk about Sex and Power
Sozial.Kollegial.Menschlich
Von Whitening-Effekten und dreckigen Wahrheiten
von Marco Petrelli
Es ist Herbst. Die Blätter fallen. Und mir der aktuelle Bericht der AllBright-Stiftung in den Schoß. Und da fällt mir etwas auf und ein: Deutschland, Land der Gleichstellung – zumindest, wenn man den bis zur Unkenntlichkeit retuschierten Gesichtern strahlender Mitarbeiterinnen (Spoiler: Diese Frauen arbeiten zumeist als Fotomodels und nicht im mittleren oder gehobenen Management ebendieser Firmen) in den in Wartebereichen ausliegenden Hochglanzbroschüren der knapp 160 börsennotierten Unternehmen in Deutschland glauben möchte.
Die Realität sieht anders aus: Die Zähne dieser hübsch anzuschauenden Damen sind für die auf Turbo-Employer Branding getunten Werbemittel der dortigen HR-Abteilungen noch nicht weiß genug und müssen künstlich via Photoshop nachgeweißt werden. Und weißgewaschen sind zumeist auch die Statistiken, Zahlen und Darstellungen von Frauen in Führungspositionen dieser Unternehmen. Der Bericht der AllBright-Stiftung belegt diesen Whitening-Effekt: Herbst 2025 ist, wie im Vorjahr, erst jeder fünfte Vorstandsposten mit einer Frau besetzt. Bei den Neurekrutierungen wird wieder häufiger auf Männer zurückgegriffen, der Frauenanteil unter den neu hinzugekommenen Vorstandsmitgliedern beträgt aktuell nur noch 20 Prozent und in den Führungsgremien stagniert er bei 19,7 Prozent in den Vorständen.
Kurz: Gleichstellung findet in stylischen Erdgeschossen, wo man Werbung für Gleichberechtigung macht, auf dem Papier statt. Oben in den Chefetagen sitzt der Herrenclub und macht sich keine Gedanken, ob die eigenen Beißer weiß genug sind, denn man ist ja weitestgehend unter sich und da zählt das Weiß des Sportwagenlacks, der Villa oder des eigenen Bötchens mehr als das des Colgate-Grinsens (und das ist via Private Zahnzusatzversicherung auch schnell wieder hergestellt).
Soweit der polemische Teil, das gehört zur dreckigen Wahrheit deutscher Arbeitswelten dazu.
Und beim SKM Köln? Auch alles weißgewaschen? Weiß wie das eigene Logo auf rotem Hintergrund? Der eigene Claim sagt: „Der Mensch am Rand ist unsere Mitte“ – gehören Frauen auch in die Mitte von Führungsverantwortung oder stehen die Damen der Schöpfung eher am Rand?
Man würde meinen…
- Kreuz im Logo bedeutet zumeist: Frauen in verantwortlichen Positionen eher mau.
- „Katholisch“ im eigenen Organisationsnamen: Frauen in verantwortlichen Positionen doppelt mau.
- Sozialdienst Katholischer Männer(!): Frauen in verantwortlichen Positionen ultimativ mau.
Dass hier nun Werbung in eigener Sache kommt, haben Sie sich als Leser:in wahrscheinlich schon gedacht.
Aber im Ernst: Beim SKM Köln haben wir den turn vollzogen. Hier braucht’s kein Persil, Colgate oder Alpina Weiß um Wahrheiten zu überweißen.

Elisabeth Quiske (links), Vorstandsvorsitzende. Neben ihr: Jens Röskens, Vorstand Sozialpolitik.
Ganz oben (im Organigramm, rein räumlich gibt es noch eine Etage drüber) sitzt Elisabeth Quiske, Vorstandsvorsitzende. Eine Frau. Neben ihr: Jens Röskens, Vorstand Sozialpolitik. Zuvor? Von 2019 bis Oktober 2024 war Quiske Finanzvorständin – Seite an Seite mit Markus Peters als Vorstandsvorsitzendem. Geschlechtergerechte Doppelspitze ist beim SKM fast schon Tradition.
Und die Ebene drunter? Während andere Organisationen noch Diversity-Workshops planen, lebt der SKM das Prinzip „Macht ist kein Männer-Monopol“: Bei der erweiterten Vorstandskonferenz (Vorstand, Stabsstellen und Fachbereichsleitungen) sitzen fünf Frauen und sieben Männer (ca. 42 % Frauenanteil) am Tisch. Bei den Sachgebietsleitungen beträgt der Frauenanteil ca. 62,5 %. Und wir ruhen uns nicht auf unser jüngsten Tradition aus, bevor sie noch zur Ausrede wird für Stillstand. Also: weiterdenken, weiteröffnen, weiterreden.
Und für uns im SKM Köln gilt: Sex and Power – Macht und Geschlecht gehören nicht in getrennte Räume. Sie gehören an denselben Tisch.
Und vielleicht ist es Zeit, dass andere Organisationen sich ein Beispiel nehmen. Herbst ist schließlich die Zeit des Wandels. Und der Herbst ist bunt, nicht weiß.







