Minister Laumann besucht Kontakt- und Beratungsstelle „Vor Ort“ des SKM Köln in Porz: Suchthilfezentrum und Herausforderungen der offenen Drogenszene im Fokus

Wie kann die Suchthilfe in Köln angesichts zunehmender Herausforderungen durch Crack-Konsum, offene Drogenszenen und die wachsende Verelendung suchtkranker Menschen zukunftsfähig aufgestellt werden? Über diese Fragen haben sich Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, und der Kölner Landtagsabgeordnete Florian Braun bei einem Besuch der Kontakt- und Beratungsstelle „Vor Ort“ des SKM Köln in Porz mit den Verantwortlichen des Verbands ausgetauscht.

Im Mittelpunkt des Gesprächs standen die aktuelle Situation der Suchthilfe in Köln, die zunehmenden Herausforderungen durch veränderte Konsummuster sowie die Perspektiven für das geplante Suchthilfezentrum in der Kölner Innenstadt. Seitens des SKM Köln nahmen die Vorstände Elisabeth Quiske und Jens Röskens sowie Jane van Well, Sachgebietsleiterin Niedrigschwellige Hilfen, an dem Austausch teil.

Suchthilfe braucht tragfähige und langfristige Lösungen

Die Situation in der Kölner Innenstadt verdeutlicht aus Sicht des SKM Köln den dringenden Handlungsbedarf. Insbesondere der zunehmende Konsum von Crack stellt die bestehenden Hilfsangebote vor große Herausforderungen. Eine zunehmende Verelendung von Menschen, die suchtkrank, wohnungslos und häufig auch psychisch schwer belastet sind, sorgt dafür, dass die bestehenden Hilfsangebote an ihre Grenzen stoßen.

Der SKM Köln setzt sich deshalb für Suchthilfezentren ein, die niedrigschwellige Versorgung, medizinische und psychosoziale Hilfen, sichere Konsummöglichkeiten und Beschäftigungsangebote miteinander verbinden. Ziel ist es, Menschen in schwierigen Lebenslagen einen verlässlichen Anlaufpunkt zu bieten, ihre gesundheitliche und soziale Situation zu stabilisieren und neue Perspektiven zu eröffnen.

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hat den Hamburger Bundesratsvorstoß zur Weitergabe kleinster Drogenmengen in anerkannten Suchthilfeeinrichtungen als „interessant“ bezeichnet. Ziel des Vorstoßes ist es, eine rechtliche Grundlage dafür zu schaffen, dass suchtkranke Menschen in anerkannten Hilfeeinrichtungen kleinste Drogenmengen untereinander weitergeben dürfen. „Ich werde die Argumente der Befürworter bewusst nicht in den Wind schlagen“, sagte Laumann bei einem Besuch in Köln. Zugleich verwies er darauf, dass die geltende Rechtslage einen solchen Mikrohandel derzeit nicht zulasse. „Wir haben den richtigen Weg noch nicht gefunden.“

Hilfe statt Verdrängung: Suchthilfezentren als wichtiger Bausteine

Aus Sicht des SKM Köln braucht es eine schnelle, aber dauerhafte und bedarfsgerechte Lösung für die Herausforderungen der offenen Drogenszene. Ergänzend zum bereits bestehenden Hilfesystem können Suchthilfezentren dazu beitragen, die Versorgung suchtkranker Menschen zu verbessern und gleichzeitig den öffentlichen Raum zu entlasten. Voraussetzung dafür sind eine verlässliche Finanzierung, klare Rahmenbedingungen und eine enge Zusammenarbeit von Suchthilfe, Wohnungslosenhilfe, Polizei und medizinischer Versorgung.

„Wir brauchen Orte, an denen Menschen zur Ruhe kommen, Unterstützung erhalten und neue Perspektiven entwickeln können. Verdrängung löst keine Probleme. Es braucht ein Hilfesystem, das sich an den Bedarf anpassen kann “, betont Jens Röskens, Vorstand vom SKM Köln.

Minister Laumann bekräftigt: „Man kann die Augen vor der Lage nicht verschließen. Man muss es akzeptieren und Hilfe anbieten. Dafür braucht es Konzepte, die greifen.“

Landesunterstützung für die Suchthilfe in Großstädten

Der SKM Köln sieht das Land Nordrhein-Westfalen in einer wichtigen Rolle, wenn es darum geht, die Suchthilfe in besonders belasteten Großstädten wie Köln nachhaltig zu stärken. Dazu gehören eine verlässliche Finanzierung, die wissenschaftliche Begleitung neuer Ansätze und die Bereitschaft, innovative Hilfsangebote zu ermöglichen. Außerdem ist der Austausch zwischen den Städten essenziell, um voneinander zu lernen und Angebote anpassen zu können.

Wirksame Suchthilfe hilft den Betroffenen und trägt zugleich zu einem lebenswerten öffentlichen Raum bei, weiß auch Landtagsabgeordneter Florian Braun. Für ihn ist deshalb klar, dass das Hilfesystem weiter ausgebaut werden muss: „Der SKM Köln zeigt seit vielen Jahren, wie gut Angebote funktionieren, wenn niedrigschwellige Hilfen, Beratung und Prävention ineinandergreifen. Das zeigt sich besonders in der Kontaktstelle am Hauptbahnhof. Es fällt gar nicht auf, dass es dieses Hilfsangebot dort gibt, weil es so gut läuft.“

Der SKM Köln will sich auch künftig für eine starke und bedarfsgerechte Suchthilfe in Köln einsetzen, betont Jens Röskens: „Wir freuen uns über den Austausch und darüber, dass die Herausforderungen der Suchthilfe in Köln auf Landesebene Aufmerksamkeit erfahren. Für uns ist wichtig, dass wir die Angebote gemeinsam weiterentwickeln und dabei nah an den Menschen und ihren konkreten Bedürfnissen bleiben.“