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Die Geschichte des SKM Köln

Wie alles begann

Im Jahr 1833 gründete der damalige Student und spätere Sorbonne-Professor Frédéric Ozanam, der 1997 von Papst Johannes Paul II. selig gesprochen wurde, mit anderen Studenten im Pariser Vorort Bailly die erste Vinzenzgemeinschaft, die er unter das Schutzpatronat des heiligen Vinzenz von Paul stellte. Anlass waren die schlechten sozialen Verhältnisse der Arbeiterschaft im damaligen Paris. Ozanam wies mit Entschiedenheit auf die Verantwortung der Christen für die Armen und Schwachen dieser Welt hin.

In Köln entstand 1902 die „Jugendfürsorge-Konferenz des Vinzenzvereins Cöln“, dessen „männlicher“ Zweig „Vincenz-Fürsorge-Verein für Knaben und Jünglinge“ als direkter Vorläufer des „Katholischen Männer-Fürsorgevereins Köln“ gelten muss, wie der heutige SKM Köln bis 1963 hieß. Agnes Neuhaus hatte zwei Jahre zuvor den „Katholischen Fürsorge-Verein für Mädchen, Frauen und Kinder“ gegründet, den heutigen SkF. Die Gründung dieser Vereinigungen sind Zeichen der Bemühungen um eine planvolle offene katholische Jugendfürsorge-Arbeit und damit der Beginn einer neuen Zeit, denn die Kirche hatte weitgehend ihre tätige Nächstenliebe in den Anstaltsbereich verlagert, wodurch sich eine caritative Arbeit in den Gemeinden nicht entwickeln konnte. Orden, Klöster und Hospitäler bildeten den Schwerpunkt organisierter Caritas.

Säkularisierung und Industrialisierung brachten neue Notstände hervor, von denen Familien, Kinder und Jugendliche in großem Umfang betroffen waren. In dieser Zeit kam es zur Gründung verschiedener Organisationen und Vereine von katholischen Laien, um Hilfe in den veränderten Notsituationen zu leisten. Besonders in großen Städten kam es zu zahlreichen Neugründungen, weil hier Verarmung, Ausbeutung und Entrechtung am größten waren. Die Vereine – so auch der Kölner Verein – nahmen Kinder in Obhut, übernahmen für sie Vormundschaften und brachten sie in Familien und Anstalten unter. Sie führten Jugendgerichtshilfe und „Schutzaufsichten“ durch. Bereits 1915 wurde die Tätigkeit des Vereins stark erweitert, weil – wie die neue Satzung es ausdrückte – der Zweck des Vereins auf den „Schutz und die Rettung für Knaben und Männer in geistiger und sittlicher Not und Gefahr“ ausgedehnt wurde. Konkret wurde das durch die Mitarbeit in der Jugendgerichtshilfe, im Vormundschaftsbereich, in der öffentlichen Fürsorgeerziehung, in der Fürsorge für Straffällige und Arbeitslose und in der Errichtung von Jugendschutzhäusern.

Die Arbeit erfolgte grundsätzlich ehrenamtlich.

Zwischen den Kriegen 1919 bis 1945

Im ersten Nachkriegsjahr 1919 klingt die Beschreibung der Not alarmierend, wenn es heißt, dass es darauf ankomme, „der notleidenden Jugend, der Zukunft unseres Volkes wieder einen Halt zu bieten, mit aller Kraft dahin zu arbeiten, die Gestrauchelten aufzurichten und sie zu einem neuen, ordentlichen Leben zu befähigen.“ Deutlich werden die veränderten Notlagen in der täglichen „Inanspruch­nahme durch Väter und Mütter, die Erziehungsschwierigkeiten mit ihren Jungen haben, durch wochen- und monatelanges Schulschwänzen der Jungen, durch die steigenden Kriminalitätsziffern, durch die Zersetzung und Zerrüttung des Ehe- und Familienlebens und die Einflüsse schlimmer Kameraden und Verführer und der Schund- und Schmutzliteratur.“

Dieser angespannten Notlage entsprach der Verein konsequent, indem er sich selbst die Aufgaben auferlegte, Eltern, Vormünder und andere Personen in Erziehungs­fragen zu beraten und zu unterstützen, die Unterbringung gefährdeter Jugendlicher zu sichern, Vormundschaften und Pflegschaften zu übernehmen, Vormünder und ehrenamtliche Helfer zu finden und zu schulen, in der Jugendgerichtshilfe, im Jugendamtsausschuss, im Bahnhofsdienst und in der Strafgefangenenhilfe mitzuwirken.

Die Zeit des 2. Weltkriegs und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft hat den Verein zwar stark getroffen, ihn aber nicht auflösen können. Die meisten Tätigkeiten konnten dezimiert weitergeführt werden, obwohl die Räumlichkeiten des Vereins (damals in der Georgstraße) völlig zerstört wurden.

Neubeginn – von der Männerarbeit zum komplexen Hilfeverbund

Direkt nach dem 2. Weltkrieg begann der Verein zusammen mit anderen Vereinigungen den Aufbau von Heimen für junge Menschen, die durch die Kriegsverwüstungen, durch Verlust von Angehörigen und andere Schicksale in Not geraten waren. Begonnen wurde die Schaffung von drei Hilfeeinrichtungen in dem Gebäude in der großen Telegraphenstraße, in dem bis heute die Geschäftsstelle untergebracht ist: ein Aufnahmeheim, ein Jugendwohnheim und eine „Offene Tür“.

Wenig später wurde mit dem Wiederaufbau der Straffälligenhilfe begonnen, ebenso mit der Ausweitung der offenen sozialen Arbeit, der Erziehungsbeistandschaft (Schutzaufsicht), der Nichtsesshaftenhilfe.

Ab 1959 begann der Verein mit dem Betrieb von „Spielstuben“ in den Nachkriegs-Notunterkünften im Stadtgebiet. Aus ihnen wurden in den späteren Jahren die Einrichtungen der „Sozialen Brennpunkte“, die sich nicht nur an die Kinder wandte, sondern immer auch das familiäre Umfeld der Kinder im Blick hatte. Aus den Sozialen Brennpunkten wurden Familienzentren. Einen besonderen Schwerpunkt bildete die damals so genannte „Zigeunerarbeit“ mit dem Bau einer eigenen Siedlung im Kölner Norden und der Betreuung in den einzelnen Stadtteilen. Ab 1975 nahm der Verein die Arbeit mit Drogenabhängigen auf und baute die Drogenhilfe ab 1980 kontinuierlich zum Hilfeverbund mit ambulanten und stationären Einrichtungen aus. Die AIDS-Erkrankung der 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts machte besondere Hilfeansätze erforderlich, denen sich der Verein stellte. Seit den 1990er Jahren bildete die Flüchtlingsarbeit einen weiteren Hilfebereich, der seit dem großen Zustrom 2015/2016 mit der Betriebsträgerschaft von Unterkünften für geflüchtete Menschen und erweiterten Angeboten einen neuen Schwerpunkt im SKM Köln ausmacht.

Die Herausforderungen des neuen Jahrtausend

Die Herausforderungen der Gegenwart bestehen darin, den Verein als Träger von Komplexleistungen wahrnehmbarer zu machen; er versammelt die unterschied­lichsten Hilfen unter einem Dach, ist gut vernetzt mit anderen Trägern und deren Hilfeangeboten und bildet mit seinem Ansehen und Einfluss eine wichtige Stütze für beeinträchtigte und sozial benachteiligte Menschen – und eine starke Stimme in der Stadtgesellschaft. Der SKM Köln macht sich dabei vor allem in und für folgende/n Fragestellungen stark: Wie können wir, auch im Kleinen, anderen (ein Gefühl von) Heimat geben? Wie können wir uns aktiv in ein gelingendes Miteinander einbringen? Wie können wir eine offene Gesellschaft in unserer Stadt, in unserem Land, in Europa (mit)gestalten? Mit anderen Worten: Wie können wir gut zusammen leben? Die Suche nach Wohnraum für alle und die Entwicklung von (Über-)Lebens­perspektiven für Drogenabhängige und Geflüchtete spielen dabei eine ebenso große Rolle wie Bildung und Teilhabe für alle Menschen in der Gesellschaft. Das sozialpolitische Engagement des SKM Köln – mit all seinen haupt- und ehren­amtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern – möchte mehr denn je dazu beitragen, die Kluft in der Gesellschaft zu überwinden und einen Lebensraum für alle mitzugestalten.